Auf Naxos, Frankfurt am Main

Theater Willy Praml

Zyklus: DER MENSCH IST EIN SOZIALES TIER, SAGT DARWIN. TEIL III: Von Mogadischu bis Oostende. MOHAMUD. Interview / THOMAS BERNHARD. Minetti

Zyklus: DER MENSCH IST EIN SOZIALES TIER, SAGT DARWIN. TEIL III: Von Mogadischu bis Oostende. MOHAMUD. Interview / THOMAS BERNHARD. Minetti

Jetzt gibt es ein paar Einblicke in TEIL III der DARWIN-Reihe. Schauen Sie sich den Trailer an

1. INTERVIEW. Baroon A. Mohamud

„In meiner Sprache bedeutet Baroon Waffe“. Warum wird einer nach einer Waffe benannt ? Weil er an einem Tag geboren wird, an dem einige Familienmitglieder von einer Waffe solchen Namens ermordet wurden. Das hat eine grausame Poesie, was ganz typisch ist für die Leute aus dem afrikanischen Somalia, die dem Wirklichen, auch dem Schrecken, einen Namen geben, oder in eine Geschichte bannen.

Baroon, der ein Jahr Praktikant in unserem Theater war, hat viele Geschichten zu erzählen. Von Mogadischu hat es ihn als Überlebenden einer Terrorherrschaft nach Frankfurt an den Main verschlagen, zum Glück. Deutschland, das für ihn wunderbarste Land, wo sich die Leute einander immer „Guten Morgen! zurufen, weil es ihnen so gut geht“ und wo es „das beste Theater der Welt mit der tollsten Sprache der Welt“ gibt. Mit Wörtern wie „Kecker Reiter“ oder „Senatsbeschlüsse“ oder „Knödelgründe“ (Heinrich Heine, Die Wanderratten), die sich herrlich ver-rappen lassen und über die man mit strahlend weißen Zähnen im schwarzen Gesicht ganz breit grinsen kann. Schauspieler will er hier werden – das ist beschlossen!

Sam, ein junger Schauspieler aus Oberursel, der Tragödien nur von der Schauspielschule als Theater-Tragödien kennt, erzählt mit Baroon zusammen Baroons Leben und fragt sich, was der Unterschied zwischen einem Hamlet-Darsteller mit einer wirklichen Kugel im Kopf und einem Hamlet-Darsteller ohne Kugel im Kopf ist.

In Afrika – so wissen wir seit Darwin – soll der MENSCH seinen Ursprung haben und auf dem Theater – so ahnen wir – wird er enden.

Und so wird der letzte Text unseres auf drei Abende verteilten Welt-Theater-Zyklus über den HOMO SAPIENS ein Theater – Theater – Text sein:

2. MINETTI. Thomas Bernhard

Von Mogadischu nach Oostende, von einer sonnenbeschienenen (wir wissen vergifteten) afrikanischen Küste im Süden an eine abgelegene,neblichte Küste im Norden.

Silvesterabend, ein drittklassiges Hotel in Oostende / Ärmelkanal. Aus dem Schneesturm tritt Minetti, »der sich der klassischen Literatur verweigert hat«. Er ist mit dem Flensburger Theaterdirektor verabredet, um dort noch einmal nach dreißig Jahren Abstinenz den Lear zu spielen. Einstmals selbst Theaterdirektor in Lübeck, wurde er damals von dort verjagt, eben weil er sich der klassischen Literatur verweigerte.

Der Abgesang eines aussterbenden Dinosauriers? Mit lustvoller Zynik im Gestus des Verschwindenmüssens beschreibt uns der TheaterMENSCH Minetti den Prozess der Fossilwerdung einer Gattung - die nur noch im Zoo - oder auf der Bühne?,nicht aber im realen Leben mehr zu betrachten ist.

Nur die Silvestergesellschaft überlebt, der einsame Lear auf der Heide aber verliert sich im Nebel.

Regie
Willy Praml
Idee/ Konzept
Willy Praml/ Michael Weber
Textfassung
Willy Praml/ Michael Weber
Bühne/ Bauten
Michael Weber/ Guido Egert
Kostüme
Paula Kern
Fotos
Seweryn Zelazny
Video
Rebekka Waitz
Musikalische Einrichtung
Gregor Praml
Darsteller
Baroon Abdi Mohamud
Sam Michelson
und Ensemble
Gäste
Hertha Georg
Emma Glückler
Romy Herberholz
Liliane Praml