Auf Naxos, Frankfurt am Main

Theater Willy Praml

LEONCE UND LENA. BÜCHNER

LEONCE UND LENA. BÜCHNER

Ein Leben wie im Supermarkt. Es gibt alles zu kaufen. Es gibt für alles eine Lösung. Es gibt für jeden Wunsch eine Erfüllung. Es gibt für jedes Problem einen Experten. Es gibt für jede Langeweile eine Unterhaltung. Das langweilt. Vor allem den PRINZEN LEONCE, der heiraten und die ganze Super - Wellness - World übernehmen soll, die sein an Blödigkeit kaum überbietender Vater wie ein Marktleiter der Hohlheit verwaltet. Die Langeweile treibt den Prinzen in die Arme von VALERIO, einem, der sich aus allem einen Witz macht - weil er nichts ernst nehmen kann oder will in einer Welt, die nichts Ernsthaftes aufzubieten hat. Mit Valerio flieht Leonce vor Herrschaft + Heirat und aus der Wellness in die Wildnis - der Sternhimmel über ihm und der weite Horizont vor ihm geben endlich Raum zum Sich-Fühlen. Plötzlich scheint alles einen Sinn zu haben, plötztlich ist man da. Und dann schlägt auch noch - wie in Hollywood - die Liebe ein: zu einer Unbekannten im Brautkleid, die auch auf der Flucht ist. Der letzte Akt aber bringt wieder alles an den Tag: alles nur Kulisse, der romantische Roadmovie ist nur ein Filmset, der Freund nur Statist, die Zukunft ein Kassenhit. Klingelingeling! BÜCHNER hat uns mit der Schwermut von LEONCE UND LENA den Ansatz einer "kalten Revolution" (nach der "heißen" in DANTONS TOD) beschrieben. Das SYSTEM LEONCE heißt: die Flut von Wunscherfüllungen, Lustbefriedigungen, Problemlösungen, Unterhaltungen, Waren vorbeiziehen zu lassen, dadurch dass man nichts tut, als einfach nur - einen Schritt zur Seite zu treten, eine Pause einzulege, Radio, Fernseher auszumachen, nicht mehr mitzumachen, nichts mehr zu kaufen, überhaupt nicht mehr kaufen zu wollen, nichts mehr wissen zu wollen, jede Tätigkeit einzustellen. Reglos werden - Müßig gehen - sich langweilen nennt es Büchner. Und dann: abhauen aus der Wellness in die Wildnis...

Regie
Joanna-Maria Praml
Dramaturgie/ Bühne
Michael Weber
Darsteller
Birgit Heuser
Reinhold Behling
Nadja Dankers
Jakob Gail
Michael Weber
Christian Raab
Stefan Roschy (WA: Michael Weber)
Laina Schwarz

Pressespiegel

  • FR/ Judith von Sternburg, 29.05.2012

    Im Einkaufsparadies: LEONCE UND LENA quicklebendig im Frankfurter Theater Willy Praml

  • FNP/ Marcus Hladek, 29.05.2012

    Georg Büchners Entfremdung mündet in (Joanna-Maria) Pramls Bilder hohlen Konsums. An den Wagen voller Chips, Bier, Cola leiert Leonce Ersatzstoffe herunter.

  • FAZ/ Claudia Schülke, 29.05.2012

    Die Welt ist ein Supermarkt, in dem keine Könige herrschen, sondern Konzerne. Das Überangebot führt zum Überdruss ... Büchner spricht Occupy aus dem Herzen.