Auf Naxos, Frankfurt am Main

Theater Willy Praml

HEINRICH HEINE IN FRANKFURT - Kino im Haus am Dom

HEINRICH HEINE IN FRANKFURT - Kino im Haus am Dom

Eine filmische Dokumentation von Otmar Hitzelberger über das Theaterprojekt HEINE. STATIONEN EINES TRAUMAS. Sommer 2013

Der Filmemacher Otmar Hitzelberger begleitete das Theater Willy Praml von den ersten Vorbereitungen bis zum Premierenabend der spektakulären Stadtbespielung im Sommer 2013. Entstanden ist ein poetischer Dokumentarfilm, der die einzigartige Stimmung des Projekts einfängt.

Anschl. Publikumsgespräch mit
Dieter Bartetzko, FAZ, Architekturkritiker
Prof. Dr. Wolfgang Bunzel, Leiter der Brentano-Abteilung, Goethehaus
Dr. Julia Cloot, Kulturfonds Frankfurt RheinMain
Dr. Thomas Dürbeck, Kulturausschuss der Stadt Frankfurt
Dieter von Lüpke, Leiter des Stadtplanungsamts Prof. Anne Christin Scheiblauer, Architektin
Willy Praml, Regisseur

Moderation: Ulrike Holler

Der Dramaturg Scotch Maier, der Filmemacher Otmar Hitzelberger und das Ensemble des Theater-Projekts sind anwesend. Der HEINE-Chor wird Lieder von Heinrich Heine vortragen.

Pressespiegel

  • Claudia Schülke in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.08.2014

    Platz für Ersehntes, Vergessenes und Vernichtetes

    Nach dem Heine-Projekt des Theaters Willy Praml: Ein Gespräch über den Dichter und romantische Orte in Frankfurt

    Er war nur dreimal in Frankfurt. „Dennoch ist es Heinrich Heine zu verdanken, dass wir mehr als 150 Jahre nach seinem Tod über Frankfurter Stadtplanung diskutieren“, freute sich Theaterprinzipal Willy Praml im Haus am Dom. Dort hatten sich Romantik- und Architekturexperten versammelt, um das vor einem Jahr gezeigte Heine-Projekt des Theaters Willy Praml im Gespräch nachzubereiten. Mit Heines Novelle „Der Rabbi von Bacherach“ als Vademecum hatten Praml und seine Mitstreiter sich damals das einstige Judengetto in der östlichen Frankfurter Innenstadt erwandert. Mehr als 2000 Zuschauer waren fünf Stunden lang mitflaniert, rund um den Börneplatz, an dem die Relikte der Judengasse im Souterrain der Stadtwerke ausgestellt sind. So hatte sich auch Heine einst von Ludwig Börne durch die Judengasse führen lassen.

    Praml ist zufrieden, dass er den öffentlichen Raum „mit Heine füllen“ konnte, „dem großen Flaneur der Kulturgeschichte mit seiner romantischen Sehnsucht und seiner ätzenden Kritik“. Ob Heine wirklich ein Romantiker war, wollte die Moderatorin Ulrike Holler von Praml wissen. „Er war selbst erstaunt darüber, wie viel Romantik in ihm war“, erwiderte der Regisseur. „Heine hielt sich für den letzten Romantiker.“ Aber was ist überhaupt Romantik? Für Wolfgang Bunzel, den Leiter der Brentano-Abteilung des Frankfurter Goethe-Hauses, ist sie eine Jugendbewegung, die die Verhältnisse auf den Kopf stellen wollte. Das Konzept der romantischen Liebe habe bis heute überdauert, davon abgesehen sei der Begriff des Romantischen verdünnt.

    Julia Cloot, stellvertretende Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main, verwies auf das Fondsprojekt „Impuls Romantik“, mit dem das Bewusstsein für die zum Teil fast völlig vergessenen Spuren der Romantik an Rhein und Main wiederbelebt worden sei. Es habe auch die Debatte um die Gründung des Romantikmuseums gefördert. Damit war eine Stadtplanungsdiskussion eröffnet. Anne-Christin Scheiblauer, Architekturprofessorin an der Frankfurter Fachhochschule, Dieter von Lüpke, Leiter des Stadtplanungsamts, und Dieter Bartetzko, Architekturkritiker dieser Zeitung, sprachen über potentielle Frankfurter Baustellen: einen vernachlässigten Platz an der Staufenmauer, deren Verlauf die Judengasse einst folgte, und das Romantikmuseum als Erweiterung des Goethe-Hauses am Großen Hirschgraben. Dabei begannen die Gesprächsteilnehmer selbst romantisch zu träumen. Bartetzko schwärmte von einer portugiesischen Kneipe und den kleinen Läden an der Staufenmauer: „Hoffentlich entdeckt das kein Stadtplaner, um es aufzuhübschen.“ Auf der Leerfläche an der Mauer könne man eine Installation schaffen, die an Heine und Börne erinnere, als „Sehnsuchtsort der Romantik“. Auch Lüpke forderte „mehr romantische Aufenthaltsorte in Frankfurt“, Orte der Geborgenheit in Hinterhöfen, aber auch transitorische rauhe Orte wie den an der Staufenmauer.

    Thomas Dürbeck, kulturpolitischer Sprecher der CDU im Römer, musste sich verteidigen, weil seine Partei sich Anfang vorigen Jahres gegen die Beteiligung der Stadt am Bau des Romantikmuseums ausgesprochen hatte, ehe sie ihr dann doch zustimmte. Er berief sich auf den „Umschwung der öffentlichen Meinung nach der Presseberichterstattung“. Einen Erweiterungsbau für das Goethe-Haus hält er für sinnvoll, weil Goethe auch als Romantiker wahrgenommen werde, vor allem im Ausland. Allerdings müsse auch die dunkle, nationalistische Seite der Romantik zu sehen sein. Bunzel ließ sich nicht aus der Reserve locken: „Wir planen jetzt hinter den Kulissen“, sagte er und verwies auf die Nacharbeiten an den drei prämierten Entwürfen des Architekturwettbewerbs. Scheiblauer freute sich als Mitglied der Jury darüber, dass alle drei den Cantate-Saal erhalten und einer sogar den großen Innenhof bewahrt: „Das Romantikmuseum steht für die versunkenen Orte der Romantik in Frankfurt.“

    Bartetzko könnte sich eine Eröffnung des Museums mit einer Aufführung des dramatisierten „Rabbi von Bacherach“ im Innenhof vorstellen. Praml will den „Rabbi“ schon nächstes Jahr in Bacharach am Rhein aufführen, wo im 12. Jahrhundert jenes Judenpogrom stattgefunden hatte, auf das sich Heine in seiner Novelle beruft. Der Prinzipal hofft, dass das rheinland-pfälzische Kulturministerium seinen Plan unterstützt. Vorerst führte er sein Publikum nach der Diskussion auf die Dachterrasse des Hauses am Dom, auf der Otmar Hitzelberger seinen Dokumentarfilm über das Heine-Projekt vorführte: 80 Minuten von insgesamt 280 Stunden Filmmaterial. Unten gähnte die Altstadt-Baustelle, ein Kran ragte in den Nachthimmel diesseits der Bankentürme – noch so ein rauher Ort der Romantik und hoffentlich transitorisch.