Auf Naxos, Frankfurt am Main

Theater Willy Praml

Federico García Lorca. BERNARDA ALBAS HAUS

Federico García Lorca. BERNARDA ALBAS HAUS

Nach dem Tod ihres zweiten Mannes ordnet die sechzigjährige Bernarda Alba für ihr Haus eine achtjährige Trauer an: ihre fünf Töchter, zwischen zwanzig und vierzig Jahre alt, können inzwischen an ihrer Aussteuer sticken. Nur die älteste hat eine Chance, diesem Hausarrest zu entkommen: sie ist verlobt mit Pepe und darf,gemäß der Sitte, durch das vergitterte Fenster mit ihm sprechen. Pepe aber will sie nur wegen ihres Vermögens heiraten und liebt Adela, ihre jüngste Schwester. Die Katastrophe muss notwendig folgen: der ausgesperrte Mann ist durch seine Abwesenheit stärker, als er es durch körperliche Anwesenheit je sein könnte. Er ist anwesend in den Gesprächen, in seinem Photo, im Gesang der Schnitter, im Hufschlag des Hengstes, er ist da im Hass der Frauen, in jedem ihrer Worte ... Als despotische Herrscherin über sich und ihre ganze Familie in Erfüllung der nach strengen Gesetzen überlieferten Tradition tut Bernarda Alba alles dafür, den Wunsch ihrer Töchter nach Freiheit zu unterdrücken und die Familienehre zu schützen. Das Haus – eine Festung: hier wird sie aber in einem übertragenen Sinne auch zu einem universellen Ort und die Tragödie Lorcas “von den Frauen in den spanischen Dörfern“ zum Schauplatz des klassischen Konflikts des abendländischen Dramas zwischen der kollektiven Verpflichtung zum Gesetz und dem unstillbaren Drang nach Erfüllung des Freiheitswillens. Das Verhältnis zwischen Drinnen und Draußen zerrinnt; innerhalb der Mauern ein Leben in Gefühllosigkeit, Aussichtslosigkeit und Stillstand und die Sehnsucht nach Liebe im Draußen, die sich verwechselt mit dem Sex, der dort ohne Liebe regiert.

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Lesen Sie auch die Kritik der Gesellschaft Freunde der Künste, Wiesbaden

Regie
Willy Praml
Bühne/ Kostüme
Michael Weber
Fotos
Seweryn Zelazny
Mit
Birgit Heuser
Reinhold Behling
Demjan Duran a.G.
Jakob Gail
Sam Michelson
Michael Weber
Maria Niesen a.G.
Andreas Bach

Pressespiegel

  • Ruth Fühner in hr2 kultur, 28.08.2014

    BERNARDA ALBAS HAUS bietet viel Druck auf in diesem Kessel (Das Haus), da stauen sich die Gefühle auf und kommen schließlich zu gewalttätigem Ausbruch... Lorca hatte sich ein rein weibliches Ensemble in das Stück geschrieben, und das ist hier nun ein fast männliches. Für die Korsettierung und Amputation des kompletten Menschen durch eine Rolle ist die Männerbesetzung ein ganz starkes Bild... Die Inszenierung lebt von dem ausgeklügelten und immer wieder überraschenden Detailreichtum einer großen Fülle schlüssiger Einfälle und eben tatsächlich von diesem Raum, der ist ein Geschenk mit dem muss man aber auch wuchern können und das gelingt Michael Weber (Bühnenbild) auch hier wieder in ganz stupender Weise.