Auf Naxos, Frankfurt am Main

Theater Willy Praml

FAUST 1 & 2 – Von Goethe

FAUST 1 & 2

Ein Vorspiel auf dem Theater leitet das große Werk ein. Direktor, Theaterdichter und lustige Person beraten, mit welcher Art von Stück das Publikum am besten herbeizulocken sein. Man kommt zum Schluss, dass der Dichter ein starkes Gebräu mischen, Dekorationen und Maschinen nicht schonen soll. Ja, er soll den ganzen Kreis der Schöpfung ausschreiten und "wandeln mit bedächt'ger Schnelle vom Himmel durch die Welt zur Hölle" Nun setzt das eigentliche Stück mit einem zweiten Vorspiel im Himmel ein. Mephistopheles mischt sich unter die Engel am Throne des Herrn. Während alle die Schöpfung loben, kann der Höllensohn nur tadeln und behauptet, mit den leichtesten Mitteln den festesten Menschen von Gott abtrünnig zu machen. Um ihn zu überzeugen, dass der Mensch in seinem dunklen Drange sich des rechten Weges wohl bewusst sei, überlässt ihm der Herr den Faust, als einen von denen, die nur irren, solange sie streben. Faust sitzt des Nachts grübelnd in seinem engen, mit gelehrtem Kram vollgestopften Studierzimmer. Unendlicher Wissensdurst hat ihn der Geisterwelt näher gebracht. Den Erdgeist ruft er zwar, kann ihn aber nicht halten, sieht die Ohnmacht ein, sich den Geistern gleichzustellen, und wünscht den Tod herbei. Glockentöne und der Gesang der Engel, die in der Osternacht die Auferstehung des Herrn preisen, ziehen ihm den Giftbecher vom Munde. Draußen in der Feier des Ostertages sucht er Erfrischung in der gesunden Volksmenge. Unbefriedigt kehrt er heim. Ohne es zu wissen, hat er in der Gestalt eines schwazen Pudels, der sich zu ihm gesellte, den Teufel mit ins Haus gebracht. Das Knurren des Hundes stört ihn bei der Bibelübersetzung, und aufblickend gewahrt er in den Verwandlungen des Tieres einen Geist, der sich auf seine Beschwörung als Mephistopheles entpuppt. Eine Verbindung, die der Teufel vorschlägt, weist Faust vorderhand zurück, da er von ihm keine Befriedigung erwartet. Da Mephistopheles nicht nachgibt, will er im Vertrauen auf seinen unstillbaren Wissensdurst einen Pakt schließen, der nicht eher enden solle, als bis er zum Augenblick sagen könne: Verweile doch, du bist so schön!

Mephistopheles geht siegesgewiss darauf ein. Er denkt Faust durch die Alltäglichkeit zu schleppen und ihn damit zum Lebensüberdruss zu bringen. Seine ersten Maßregeln bei saufenden Studenten in Auerbachs Keller schlagen fehl. Da führt er Faust in eine Hexenküche, lässt ihn verjüngen und ihm durch einen anderen Zauber Liebessehnsucht einflößen. In dem schlichten Bürgermädchen Gretchen findet Faust dann Befriedigung seiner Sinnesglut. Aber so herrlich auch das Mädchen geschaffen an Körperanmut und Seelenreiz, so sehr sie auch dem Geliebten ergeben, da sie für ihn alles tut, die Mutter tötet und den Bruder Valentin ihretwegen sterben sieht, dem Geiste Fausts vermag sie keine Fesseln anzulegen. Gesättigt entflieht er und lässt sie, die der Geburt eines Kindes entgegensteht, in Verzweiflung zurück. Mephisto führt Faust in das wilde Taumelgelage des Blocksberges in der Walpurgisnacht, um ihn gänzlich zu betäuben, aber noch einmal zieht es Faust zu Gretchen zurück, da er hört, dass sie wegen Ermordung ihres und seines Kindes zum Tode verurteilt sei. Er dringt mit Zauberhilfe in ihren Kerker. Noch einmal liegt das wahnsinnig gewordene Gretchen an seinem Hals, aber er vermag sie nicht zu befreien, sie widerstrebt selbst, um sich sühnend dem Gericht Gottes zu übergeben. Mephistopheles reißt den zögernden Faust gewaltsam fort. Aber während er höhnend ausruft: Sie ist gerichtet! erschallen Engelsstimmen vom Himmel: Sie ist gerettet! - - Ein neuer Wirkungskreis eröffnet sich durch Mephistos Hilfe dem Faust am Hofe des Kaisers. Mit Finanzkunststücken machen sie sich dem arg verschuldeten Staat nützlich und steigen hoch in der Gunst des Kaisers. Faust gibt glänzende Feste und vermisst sich sogar, Helena und Paris dem erstaunten Hofe vor Augen zu führen. Dem Rate Mephistos folgend, gelingt ihm auch das. Aber da er das Schattenbild Helenas in Liebesraserei selbst ergreifen will, geht mit furchtbarer Explosion der Zauber in Dunst auf, Faust stürzt zu Boden, wird von dem ergrimmten Mephisopheles gepackt und zurück in sein altes Studierzimmer gebracht. Hier hat der ehemalige Famulus Wagner, ein trockener Pedant, die Abwesenheit Fausts benutzt, um selbst Wunderdinge zu schaffen, und mit vieler Mühe hat er in einer wohlverpropften Flasche den künstlichen Menschen, den Homunculus, erzeugt. Wagner hat aber keinen Genuss davon, denn der Homunculus fliegt mit Faust und Mephisto davon zur klassischen Walpurgisnacht nach den pharsalischen Feldern. Hier tritt mit Faust die Wandlung ein, deren Mephisto bedarf, um ihn zur ersehnten Helena zu bringen. Als Ritter des Mittelalters geht Faust mit der griechischen Schönheit eine Ehe ein, aus der Euphorion als Träger des neuen Kunstgeistes entspringt. Doch im allzu jugendlichen Ungestüm vernichtet sich dieser selbst. Auch Helena entschwindet endlich, und nichts kann Faust von ihr halten als das Gewand. Mephistopheles führt ihn ins praktische Leben zurück. Zuerst ins Kriegsgetümmel zum Zerstören, dann in friedliche Beschäftigung zum Schaffen und erhalten. Faust ist wieder zum Greise geworden. Er ist aber nicht mehr der unfruchtbar grübelnde Stubengelehrte wie ehedem, sondern im reichen Leben macht er sich verdient, und das verschafft ihm nach und nach Befriedigung. Die Sorge, die ihn durch ihren Anhauch erblinden lässt, vermag nicht mehr, ihn niederzudrücken. Am Stabe tastet er hinunter, um die Arbeit zu hören, die er nicht mehr sehen kann. Den Sumpf am Gebirge lässt er trocken legen, das Meer mit strengem Band umziehen - Räume eröffnet er für Millionen. Zum Weisheitsschluss kommt er, dass der die Freihet wie das Leben verdient hat, der sie täglich erobern muss. Er fühlt, dass dieses rastlose Streben glücklich macht und die Spur von seinen Erdentagen in Äonen nicht untergehen wird. Dieses Bewusstsein bringt ihm das Vorgefühlt höchsten Glückes, und so spricht er es aus, dass er jetzt den höchsten Augenblick genießt. Damit ist auch sein Leben nach dem Pakt mit Mephistopheles beendet, und der Teufel will Besitz von Faustens Seele ergreifen. Nun aber zeigt es sich, dass Mephisto falsche Schlüsse gezogen hat. Engel vom Himmel steigen hernieder und treiben ihn mit seinen der Hölle entstiegenen Hilfsscharen durch geweihte Rosen zurück. Faust ist nicht der Unterwelt verfallen. Die Engel singen es: "Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen!" Sie ergreifen Faustens Unsterbliches, bringen es zu den Füßen der Gottesmutter, wo Gretchen als Büßerin Gnade gefunden, und vereinigen die Frühgeliebten.

Regie
Willy Praml
Dramaturgie
Mathias Schüler
Musik
Mathias Raue
Choreografie
David Kern
Licht
Jürgen Koss , Chris Wiedemann
Bühne/Kostüm
Sandra Meurer
Darsteller
Reinhold Behling
Andeina Coatto-Winter
Annette Marquard
Birgit Heuser
David Kern
Ursula Lillig
Manfred Roth
Dominik Stein
Michael Weber
u.a.