Auf Naxos, Frankfurt am Main

Theater Willy Praml

AN GOETHE (zum 262ten)

AN GOETHE (zum 262ten)

»Er ist das vollkommenste Wesen, das ich kenne, auch im Äußeren – in seinen Augen, seiner Stirne, seinen Zügen liegt gleichsam das Universum.Die höchste Glorie umleuchtet ihn.«

So wird über Goethe geschwärmt. Zu Beginn der Feierlichkeit seines Geburtstags, die sich zum xten mal wiederholt. Jahrhunderte lang schon hocken sie an der Geburtstagstafel, kauen am Phänomen Goethe herum, stoßen an, singen, erzählen, streiten,keifen, schlagen sich, liegen sich in den Armen und sterben aufs Neue – ihren Goethe-Tod: Frau von Stein, Schiller, Lenz, die Vulpius und Sohn August. Alle haben sie zu loben und vor allem zu fluchen und die Dichter-Exzellenz durch den Kakao und in den Dreck zu ziehen.

»Ein solches Wesen sollte man nicht um sich herum aufkommen lassen«, warnt Schiller. »Mit Wahrheit sagt er, dass er einen vom Himmelbis zur Hölle führt«, antwortet die Stein. Jugendfreund Lenz hält eineglühende Liebe-Hass-Tirade auf JWG. Sohn August säuft sich im Schatten des großen Vaters – profillos – zu Tode und Goethes Ehefrau Christiane Vulpius begräbt beider Säuglinge und tanzt die Schuhe durch, wenn der Gatte mal wieder ein paar Monate verreist ist. Sehnlichst von ihnen, den Goethe-Malträtierten, erwartet, wird er sie alle überleben. Warten auf G. – Ein Gespräch über den abwesenden Herrn von Goethe, der an diesem Abend wieder einmal ganz herrlich lebendig wird.

Bleibt der Schluss: »Und während Europa uns um Goethe beneidet, hätten diese Unsinnigen nicht übel Lust, seine heilige Asche aus der Fürstengruft zu Weimar heraus zu reißen und in alle vier Winde zu streuen. Solcher Wahnsinn ist doch nur in Deutschland möglich.« (Ein Zeitgenosse)

Regie
Joanna-Maria Praml
Konzept
Joanna-Maria Praml
Bühne / Kostüme
Michael Weber
Darsteller
Reinhold Behling
Nadja Dankers
Jakob Gail
Birgit Heuser
Sören Messing
Umbesetzung 2011
Claudio Vilardo

Pressespiegel

  • , 01.01.2000

    Als Zaungast dabei zu sein, wenn Schiller, Christiane Vulpius, Jakob Reinhold Lenz, Charlotte von Stein und Goethe- Filius August den 262. Geburtstag des Dichters feiern und etwas schmutzige Wäsche waschen, ist indes so komisch wie lehrreich. (FNP)

    Mit hoher Sprechkunst gelingt es dem Ensemble, das abwesende Geburtstagskind in vielen Facetten schillern zu lassen: als alternativen Höfling, ungebärdigen Schwarmgeist und manischen Briefschreiber; als gnadenlosen Verleugner seines neurotischen „Schattens“, der ihn in Gestalt des Jugendfreundes Lenz bedrängt; als abwesenden Ehemann, der sich im Bett verkriecht, als seine Frau unter Qualen stirbt; als poetischen Kontrahenten und Verräter am früheren Freiheitsideal; als fatales Über-Ich, das dem Sohn den Tod bringt, wie der Geist von Hamlets Vater. Und als göttergleiches Genie. (FAZ)

    Für das Publikum ist dieses Fest ein gelungenes Partydesaster – auch wenn es den Jubilar entlarvt. (FNP)