Auf Naxos, Frankfurt am Main

Theater Willy Praml

2016 - im 12. Jahr JESUS D'AMOUR, GEB. 0 – Die Weihnachtsgeschichte nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

2016 - im 12. Jahr JESUS D'AMOUR, GEB. 0

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2016 – im 12. Jahr JESUS D`AMOUR, GEB. 0
Die Weihnachtsgeschichte nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

„Die geschichte beginnt mit zwei schwangeren frauen. Die eine ist unfruchtbar, die andere jungfrau. In ihrer verwirrung + in der verwirrung ihrer männer muss ihnen ein engel beistehen. Mit unglaublichem fängt ein glaube an. Zwei Knaben werden geboren: Johannes + Jesus. Johannes – der wegbereiter, Jesus – der durchbrecher. Die beiden leiten eine neue zeitrechnung ein; Liebe kommt in die welt, die neu ist unter den menschen. Aus den 4 evangelien hat das frankfurter theaterwillypraml eine Art „Krippenspiel“ entwickelt – von den schwangeren müttern bis zur enthauptung des täufers.

Eine unerhörte geschichte, neu (nach)erzählt für menschen von heute, für jung und alt, singles + paare + ...für die ganze familie.“

Mit dieser Ankündigung hat des Frankfurter THEATER WILLY PRAML an Weihnachten 2005 zum ersten Mal auf seine Bearbeitung der Evangelien hingewiesen. Der große Erfolg beim Publikum hatte zur Folge, dass zu Ostern 2006 ein 2. Teil folgte: JESUS d`AMOUR, gest./auferst. DIE PASSION. Seither spielt das Theater seine Version der Geschichte von Jesus in zwei Teilen in jedem Jahr, jetzt, in 2016 also, schon im 12. Jahr. Die Grundlage dieser Theatralisierung bilden die vier Evangelien. Ein 3. Teil ist in Vorbereitung: JESUS D´AMOUR. Auferstehung.

Regie: Willy Praml
Bühne/Kostüme: Michael Weber
Mit: Reinhold Behling, Irene Buresch, Nadja Dankers, Gisela Eiffert, Jakob Gail, Birgit Heuser, Johannes Christopher Maier, Maria Niesen, Willy Praml, Emre Ünal, Michael Weber, Lisa Zanaboni.

AUSSAGEN VON MITWIRKENDEN

DER HIMMEL ÜBER UNS

Unsere Frankfurter Version der Geschichte von Jesus Christus ist so gebaut, dass zwölf Darsteller – zwischen 10 und 85 Jahren – das gesamte Geschehen von den Prophezeiungen bis zur Geburt, von der Wunder- und Lehrtätigkeit Jesu bis zu seinem Einzug in Jerusalem und seine Hinrichtung auf Golgatha in verteilten Rollen erzählen, nachspielen, verkörpern.

Es sind ZWÖLF – der DREIZEHNTE fehlt.

Im 1. Teil, in der Weihnachtsgeschichte, sind die Rollen noch durchgängig aufgeteilt: die Drei Marien / der Erzengel Gabriel / Maria, Josef und das Kind / Zacharias, der Priester, und seine Frau Elisabeth / Johannes der Täufer, Herodes und Salomé. Im 2. Teil, in der Passion, sind die zwölf Darsteller eben die ZWÖLF, und die Texte von ihm, dem DREIZEHNTEN, sind alle auf sie verteilt. Ganz so, wie die zurückgebliebenen Jünger eines großen, charismatischen Genies sich an IHN, seine Worte, seine Gesten erinnern, sich streiten, wer ihn am besten gekannt, verstanden hat, wer ihm am nächsten war. Die Jünger, das sind wir, die Zurückgebliebenen. Auch wenn die Geschichte von Jesus Christus nicht unbedingt der historisch überprüfbaren Wahrheit standhält, dann ist sie jedenfalls ganz große Literatur. So wie Dostojewski in einem Brief an seine Frau schrieb, dass wenn man ihm beweisen würde, Christus stehe außerhalb der Wahrheit, er immer für Christus und gegen die Wahrheit stehen würde. In der Behauptung eines entgötterten Himmels in unserer Zeit gibt es nichts über dem Menschen, an den er seine Ansprache richten könnte. Meine Aufgabe als Theatermacher sehe ich grundsätzlich darin, den Blick zu öffnen für die Auseinandersetzung mit den großen Themen, wie sie sich längst vor uns gestellt haben und auch in der Zukunft stellen werden.

Willy Praml, 70, Regisseur (Darsteller des Herodes)

ECHO

Die Christusworte = Widerhaken im Schöner–Wohnen–Leben. Wie spricht man diese Worte, fragt sich der Schauspieler? Vielleicht so: Wie einen Auftrag, den man nicht so richtig verstanden hat? Da f r a g t man sich eher. Oder so: Wie einen Befehl, den niemand richtig versteht? Da kann man eher ins Brüllen geraten. Beide Formen erzeugen ein Echo. Das Fragen und das Brüllen. Echo = was aus uns selbst kommt und wie eine Antwort von irgendwoher empfangen wird.

Michael Weber, 49, Schauspieler, Bühnenbildner, Dramaturg (Erzengel Gabriel)

WIE EINE GELUNGENE MESSFEIER

Über die vielen Jahre, in denen wir den JESUS nun schon zu Weihnachten und Ostern spielen, hat sich meine rheinländische, in der Hochburg Köln zunächst begeisterte und später erlittene, katholische Sozialisation wieder befrieden können - ich habe über das Theater und über eine zunächst ganz nüchterne und professionelle Arbeit immer mehr, zuerst fast unmerklich, die Wirkung dieser ungeheuren Bibeltexte, vor allem die der Bergpredigt wie eine Katharsis erfahren. Wenn das Ensemble am Abendmahlstisch sitzt - bei Wein und Brot - und sich gegenseitig aus der Bibel diese gleichnishaften und radikalen Mahnworte von Jesus vorliest, entsteht eine Stimmung, die wie aus uns allen heraustritt und das, was größer ist als wir selbst, spürbar macht - ein spiritueller Moment. Außerdem ist in der so schnelllebigen Zeit, in der es wenig Beständiges gibt, das Festhalten an einer immer wiederkehrenden Aufführung schon Ereignis. Ich hoffe, dass wir noch viele Jahre gemeinsam am Tisch sitzen.

Birgit Heuser, 55, Schauspielerin (Elisabeth / Judas)

„DAS MUSS INNIG VORGETRAGEN WERDEN, INNIG!“

empört sich Willy Praml. Natürlich hat er Recht, aber 'innig' ist etwas, was ich nicht kann, 'innig' ist sozusagen das Gegenteil von mir. Ich habe im versetzten Chor mit zwei anderen unheimlichen alten Weibern einen Verzweiflungstext vorzutragen, der in ein flehentliches Gebet mündet. Mein aller erster Satz lautet „Ich aber bin ein Wurm“ - da habe ich immer ein bisschen Angst, dass das Publikum kichert. Und dann geht es Schlag auf Schlag, wir zetern, keifen, ereifern uns – dann kommt der Bruch, die Hinwendung zum Allerhöchsten, die Hoffnung auf Trost: „DU aber ….“ Ich weiß nicht, wie viele Varianten dieses „DU aber“ ich schon ausprobiert habe, immer stimmt es nicht, es ist eben nicht innig. Schließlich entscheide ich mich einfach dafür, loszulassen, mich dem Text anzuvertrauen.

Prof. Jeanette Schmid, 54, Diplom-Psychologin Universität Frankfurt am Main (eine der 3 Marien)

EINE GANZ PERSÖNLICHE FREUDE

Maria zu spielen war eine reine Freude. Ich mochte Maria sehr, weil sie als lebensbejahende Figur und als Mensch, statt als - über den Menschen und Dingen stehende Heilige - dargestellt wurde. Maria ist Liebe. Maria ist mitten im Leben. Eine Maria unter uns. Maria ist Fremde. Wenn ich überlege, dann verbinde ich vor allem eins mit diesem Theaterstück: eine ganz persönliche Freude.

Anja Spriestersbach, 37, Sozialarbeiterin (Maria)

WENN ICH ES RECHT BEDENKE . . .

. . . nach ein paar Aufführungen von JESUS d´AMOUR fühlte ich mich wie noch einmal konfirmiert. Erwachsenentaufe? Zu vage gesagt! Eher Seniorentaufe! Na ja.

Bei jeder Aufführung in den vergangenen Jahren, ich schwör´s!, dachte ich staunend, oft erschauernd: das haste ja gestern Abend noch gar nicht so verstanden! In der Naxoshalle, vor Kälte bibbernd, wartend auf den Auftritt von uns alten Frauen, „die drei Marien“ genannt, total konzentriert zuhörend, das Spiel der biblischen Gestalten in der Halle verfolgend, ein Spiel, das sich in nacherlebbare Wirklichkeit verwandelt: das junge, verliebte Paar, Maria und Josef, der kleine Lausbub Jesus, der den besorgten Eltern abhaut, lernend, predigend in der Synagoge gefunden wird, und während man seinen frühreifen Gedanken nachsinnt, weiß man ja, wie er enden wird: am Kreuz! Es ist schon in der Halle aufgebaut, auf ihm kommt das Jesuskind auf die Welt. Das ist die Krippe im Stall von Bethlehem bei Willy Praml. Anfang und Ende in eins gedacht. Nie wieder werde ich, nur der Schönheit wegen, einen „Alten Meister“ im Städel betrachten können, der alle Liebe in die rosenumrankte Idylle mit den beiden spielenden Knaben, Jesus und Johannes, samt mild-lächelnder Maria gelegt hat, weil sich das andere Bild davor schiebt, jenes aus der Naxoshalle, wo Herodes der Salome den abgeschlagenen Kopf des Johannes in einer Silberschale kredenzt, als Bezahlung gewissermaßen für ihren denkwürdigen Tanz. Denke ich daran, mit welch dankbaren Empfindungen, die spät schwanger gewordene Elisabeth diesen besonderen Sohn Johannes geboren hat, begreife ich über diese alte Geschichte, zu welchen Unmenschlichkeiten, Perversitäten, die Macht und ihr Missbrauch durch die Herrschenden führen. Herodes scheint nicht auszusterben und Kindermord hat neue Daten.

Hertha Georg, 85, Bibliothekarin a. D. (eine der 3 Marien)

ICH BIN AN DER ARBEIT GEWACHSEN

Ich hatte in meinem ersten Jahr keine Ahnung vom Thema: Jesus d'Amour. Biblische Texte interessierten mich vor drei Jahren alle noch nicht, doch ich spielte mit, weil ich auf die Bühne tanzen durfte. Im Laufe der Aufführungen hatte ich besonders viel Spaß, als ich endlich das ganze Theaterstück vom Inhalt und der Symbolik begriffen hatte. Ich konnte fast alle Texte mitsprechen und im Religionsunterricht bin ich, dank Jesus d'Amour, eine der Besten drei geworden. Ich danke.

Lisa-Maria Zanaboni, 17 Jahre (Salome)

JESUS D’AMOUR IST WEIHNACHTEN FÜR MICH

Alles in allem i s t JESUS D'AMOUR für mich eines: Weihnachten!!!!!

Irene Buresch, 62, Sozialarbeiterin (eine der 3 Marien)

BEIM SPRECHEN DER TEXTE KAMEN ERINNERUNGEN ZURÜCK

Zacharias und Petrus. Zacharias, der als alter Mann noch ein Kind kriegt und zunächst stumm wird, aus Unglauben. (Ich frage mich übrigens jedes Mal, warum die Verwandtschaft Zacharias DURCH ZEICHEN fragt, wie das Kind heißen soll - er ist doch stumm und nicht taub). Petrus, der sagt: "Und wenn alle an dir Anstoß nehmen, ich niemals" und hinzufügt: "Und wenn ich mit dir sterben müsste, ich werde dich niemals verleugnen" - und dann tut er es doch und weint bitterlich und wird - nicht verstoßen. Zweifel und Momente der Schwäche; dadurch sind diese Figuren auf der Bühne interessant. Das Stück lässt Fragen offen, gibt keine endgültige Antworten. (Eine
m e i n e r offenen Fragen ist z. B., ob ich als Atheist wohl doch in den Himmel komme?

Reinhold Behling, 60, Schauspieler (Zacharias / Petrus)

DER MANN IM HINTERGRUND

Josef. Nährvater Jesu, Nachkomme Davids. Zimmermann in Nazareth. Ehemann Marias, Heiliger. Verehrung seit dem 14. Jahrhundert. In neuerer Zeit als Arbeiterpatron verehrt. Attribute: Zimmermannswerkzeuge und Lilie. Die Lilie wegen seiner nichtsexuellen Beziehung zu Maria. Deshalb auch als Greis dargestellt mit Leidenschaft für Offenbarungen.

Tim. Nachkomme Horst-Bernhards und seiner Frau Helga-Margarethe. Bruder Robbins. Darsteller des Josef in der Naxoshalle. Ehemann von Rebecca. Kein Heiliger. Nicht verehrt. Josef nicht als Greis dargestellt. Sondern als jungenhaften Liebhaber der Maria. Ohne Argwohn, mit Treue und Stolz. Und als Schlafender. Steht auf Gespräche mit Engeln im Traum. Befehlsempfänger und - ausführer. Attribute: Zollstock und weiße Weste. Weiß als Farbe der Unschuld.

Tim Stegemann, 35, Schauspieler (Josef)