Auf Naxos, Frankfurt am Main

Theater Willy Praml

LA ISLA - Archive einer Tragödie – von Uli Stelzner, Deutschland/Guatemala 2009

LA ISLA - Archive einer Tragödie

Während des Bürgerkriegs in Guatemala wurden von den wechselnden Militärjuntas zwischen 1960 und 1996 mehrere hunderttausend Menschen verschleppt und ermordet.

Bis heute ist dieser beispiellose Völkermord in der jüngeren Geschichte Amerikas ungesühnt, weil ein System von Terror und korrupter Justiz sicher sein konnte, dass aus Mangel an Beweisen geschwiegen wird.

Dies ändert sich erst, als im Jahr 2005 nach einer gewaltigen Explosion in Guatemala City durch Zufall das geheime Archiv der Nationalpolizei gefunden wird. Auf dem Gelände der heutigen Polizeischule lag früher „die Insel“, das Geheimgefängnis der Policia National, der zentrale Ort eines Jahrzehnte währenden Unrechtsregimes. Millionen Dokumente werden plötzlich sichtbar.

Seitdem hat sich eine Gruppe junger Leute – zumeist Hinterbliebene von Ermordeten und Verschwundenen – daran gemacht, die 80 Millionen teilweise zerstörten Akten zu sichten und den Fluch des Vergessens abzuschütteln. Ihre Suche nach der Wahrheit erschüttert die Grundfesten der guatemaltekischen Gesellschaft, denn viele der damaligen Täter sind auch heute noch in Amt und Würden.

Der Regisseur ist der bisher einzige Filmemacher, der in diesem Archiv drehen durfte. Es gelingt ihm, in außergewöhnlichen, manchmal beinahe poetisch anmutenden Bildern eine Vorstellung vom Grauen und dem Schmerz über diese Menschheitstragödie zu vermitteln und den Opfern ihr Gesicht und ihre Stimme zurückzugeben.

Sein Film ist außerdem das Porträt der Nachkommen der Guerilleros, deren Aufbruchstimmung und unermüdlicher Einsatz für die Wahrheit außerordentlich bedeutend für das kollektive Gedächtnis des ganzen Landes ist.